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Bamberg gegen Ulm: Der große Positionsvergleich

Wer hätte das gedacht? Die BMA365 Bamberg Baskets gehen als Favorit ins Play-off-Viertelfinale gegen Ratiopharm Ulm. Doch zeigt Ulm sein Topniveau, ist eine enge Serie möglich. Der Direktvergleich.

Von: Nikolas Pfannenmüller und Maximilian Glas Digitales Storytelling: Sahar Nezhadbahram

Die Guards: Der Chef und seine Helfer

Bamberg Baskets: Cobe Williams, Richard Balint, Zach Ensminger, Austin Crowley, Adrian Petkovic

Ratiopharm Ulm: Nelson Weidemann, Mark Smith, Tobias Jensen, Thomas Klepeisz





Cobe Williams ist der Kopf der Bamberger Offensive, auch wenn er sich zuletzt gegen Bonn einen schwächeren Auftritt ohne Treffer aus dem Feld erlaubte. Entscheidend wird sein, dass er nicht mit dem Kopf durch die Wand geht. Dann bringt er alles mit: Explosivität im ersten Schritt, Gefahr von außen und die Fähigkeit, seine Mitspieler einzubinden.

Einer, der davon profitiert, ist Austin Crowley. Ob als Shooting Guard oder Small Forward – das Etikett ist zweitrangig. Der 25-jährige US-Amerikaner ist zum Allrounder gereift. Seit Saisonbeginn verteidigt er die besten Spieler der Gegner, spritzt im richtigen Moment in die Passwege und krönt seine Ballgewinne mit krachenden Dunkings. Inzwischen trifft er auch offensiv immer bessere Entscheidungen.

Auch Zach Ensminger hat sich im Saisonverlauf gesteigert: ballsicher, effizient aus der Distanz (45,6 Prozent) und ein Profi, auf den in großen Spielen Verlass ist, wie er im Pokalfinale bewies. Richard Balint schwankt zwar in seiner Konstanz, ist aber jederzeit für Ausreißer nach oben gut.





Auf Ulmer Seite bringt der 34-jährige Thomas Klepeisz zwar Erfahrung aus vielen Spielen gegen Bamberg mit, dürfte aber keine serienentscheidende Rolle mehr einnehmen. Der 34-Jährige ist einen halben Schritt langsamer als früher und trifft in dieser Saison nur 41,4 Prozent seiner Feldwürfe. Auch Nelson Weidemann bleibt mit 40,7 Prozent hinter den Erwartungen.

Die Hoffnungen ruhen auf Tobias Jensen, der in beiden Saisonspielen gegen Bamberg überzeugte, sowie auf Mark Smith, der in der Brose-Arena 29 Punkte auflegte. Allerdings ist er kein klassischer Spielmacher.

Vorteil Bamberg - 1:0





Die Forwards: Athletik trifft Physis

Bamberg Bakets: Ibi Watson, Demarcus Demonia, Moritz Krimmer

Ratiopharm Ulm: Alec Anigbata, Justin Simon, Diego Garavaglia, Christopher Ledlum, Chris Sengfelder







Mit Ibi Watson haben die Baskets den Zweiplatzierten bei der Wahl zum wertvollsten Bundesligaspieler im Kader. In seinem zweiten Jahr in Bamberg, nun als Kapitän, hat der 28-Jährige einen großen Schritt gemacht. Sowohl aus der Distanz (41,6 Prozent) als auch aus dem Zweierbereich (56,4 Prozent) punktet er effizienter als noch in der Vorsaison. Zudem ist er als Führungsspieler und Sprachrohr der Mannschaft gereift.

Ein möglicher Ansatzpunkt für Bamberg: Chris Sengfelder. Die Baskets werden versuchen, ihn konsequent mit Tempo zu attackieren und über ihre Athletik Vorteile zu generieren. Demarcus Demonia kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.



Ulm kommt mit einem anderen Ansatz und hält mit Physis dagegen, allen voran Christopher Ledlum. Der Forward sucht häufig den eigenen Abschluss, kann mit seiner Wucht die Bamberger in der Zone vor Probleme stellen.

Eine zentrale Figur bleibt Justin Simon. Ulms defensiver Anker bekam in den direkten Duellen die Aufgabe, Cobe Williams zu kontrollieren, wobei auch Tobias Jensen und Mark Smith diese Rolle übernahmen. Im Rückspiel fand Williams jedoch Lösungen. Offensiv offenbart Simon Defizite: Mit 29,5 Prozent von der Dreierlinie fehlt ihm die nötige Konstanz aus der Distanz. Eine Schwäche, die in den Play-offs noch stärker ins Gewicht fallen dürfte, wenn die Baskets ihm gezielt Räume anbieten und zu Abschlüssen zwingen.



Vorteil Bamberg – 2:0







Ratiopharm ulm vs. BMA365 Bamberg Baskets - Full Game Highlights - Matchday 29, 25/26



Die Center: Wer kontrolliert die Zone?



Bamberg Baskets: EJ Onu, Daniel Keppeler, Finn Döntgens 

Ratiopharm Ulm: Joel Soriano, Malik Osborne



Während die Ulmer mit Simon ihren besten Verteidiger auf den Flügelpositionen haben, stellt Bamberg mit EJ Onu den besten Defensivspieler der Saison. Als Ringbeschützer und 2,11 Meter-Hüne dürfte er auch gegen Ulm bei manchem Gegenspieler Zweifel säen, ob ein Zug zum Korb die beste Option ist. Beim Rebounding sind Onu und Daniel Keppeler allerdings angreifbar – auch, weil ihr Fokus stark auf Blocks liegt und ihnen in manchen Situationen etwas Physis und Gefühl für die Position fehlt.

Ulm kontert mit Joel Soriano. Ein Kraftpaket (116 kg), das seit seiner Verpflichtung Ende Januar offensive Stabilität bringt. Malik Osborne agiert zuverlässig. Auch Sengfelder kann auf die Centerposition rücken. Defensiv fehlt den Ulmern ein klassischer Ringbeschützer wie Onu, offensiv jedoch wirken ihre Big Men insgesamt etwas durchschlagskräftiger.

Unentschieden – 3:1



Die Trainer: Vorgänger und Nachfolger im Duell

Bamberg Baskets: Anton Gavel

Ratiopharm Ulm: Ty Harrelson



Anton Gavel trifft auf seinen Nachfolger als Ulmer Cheftrainer: Ty Harrelson. Mit Rasta Vechta erreichte dieser 2024 das Play-off-Viertelfinale und empfahl sich damit für den Schritt nach Ulm. In seiner ersten Saison führte Harrelson die Ulmer direkt bis ins Finale und verpasste die deutsche Meisterschaft nur knapp. Am Ende fehlten fünf Punkte. Nach dem dritten Spiel der Best-of-Five-Serie gegen den FC Bayern hatten die Ulmer sogar mit 2:1 geführt.

Allerdings greifen die einzelnen Puzzleteile im Kader nicht so stimmig ineinander wie noch in der Vorsaison. Hochveranlagte Talente wie Garavaglia und erfahrene Kräfte wie Sengfelder oder Smith fügen sich bislang nicht durchgängig in ein schlüssiges Gesamtgefüge ein. Trotz einiger überraschender Niederlagen in dieser Saison verlängerte der Klub Harrelsons Vertrag im Februar vorzeitig bis 2028.

Auf der anderen Seite steht Anton Gavel, der seine Qualitäten als Trainer mehrfach unter Beweis gestellt hat. 2023 führte er Ulm zur Meisterschaft, der Pokalsieg mit den Baskets war sein zweiter Titel als Cheftrainer. Gerade in K.o.-Spielen zeigt sich seine Qualität: Gavel erreicht seine Mannschaft emotional und findet den richtigen Ton – wie im Pokalfinale mit „You have to play through it“ für Cobe Williams. Dass die Bamberger nach Gavels Auszeiten häufig Rückstände drehen oder entscheidende Läufe starten, unterstreicht seinen Einfluss zusätzlich.

Vorteil Bamberg – 4:1